Jahresrückblick Teil 2

Die Rückkehr nach Westschweden hatte zwar die Sonne im Gepäck nur ganz bedingt überlebt, aber angenehme 20-25 Grad waren nach den Hitzemonaten Juni und Juli in Kanada respektive Kroatien gar kein so großer Schaden. Kaum angekommen war Besuch aus Deutschland angekündigt: Wiebke – meine beste Sandkastenfreundin im Beachvolley-Sinne – wollte sehen, wie es hier so aussieht. Unabhängig vom teils unbeständigen Wetter hat es ihr glaube ich gut gefallen in Göteborg, aber die Stadt hat ja auch so einiges zu bieten.

Bei der ortskundigen Stadtführung hab ich mich jedoch bewusst etwas abseits der Touristen-beströmten Trampelpfade gehalten (Botanischer Garten statt Einkaufszentrum Nordstan, Park Slottskogen statt Vergnügungspark Liseberg, Ausflug nach Galterö in den südlichen Schären statt Fahrt mit einem der so hässlich wie bekannten Paddan-Boote auf den Kanälen der Innenstadt, etc.). Kulminiert ist dieses eigenbrödlerische Besucherprogramm in einem Besuch des Göteborger Jazz-Festivals. Zwar wussten die an der Kasse nicht, ob es auch Studententickets gibt, da nur ältere Herrschaften bis dahin Einlass begehrt hatten, aber zum einen haben die Bands echt gerockt und zum anderen war ich neugierig, wie sich dieser über die ganze Stadt verteilt, vornehmlich in Kirchen stattfindende Musik-Event im Vergleich zum Montréaler Vorbild verhält. Fazit: Definitiv noch ein Insider-Tipp, aber ausgesprochen kultig!!

 

Im September hat mich dann gleich dreimal die Sehnsucht nach mehr Meer heimgesucht und so zu drei Ausflügen in den Skärgården geführt. Der erste führte nach Styrsö, die größte der südlichen Schären, um auch mal entlegenere Ecken der Insel zu sehen. Dieses Vorhaben hatte unbestreitbar Erfolg, denn irgendwann kam ich an einem Hinweisschild vorbei, dass es sich ab nun um militärisches Übungsgelände handle und der lustige Wandersmann auf eigenes Risiko unterwegs sei. Zunächst dachte ich ja noch, das Schild sei gut 50 Jahre alt und nicht mehr ernstzunehmen, aber als ich dann auf einige unverrostete Patronenhülsen gestoßen bin, war ich mir des Ernstes der Lage bewusst. Hab trotzdem nur Schafe und keine Soldaten angetroffen – vielleicht haben die sich aber auch einfach nur gut versteckt.

Der zweite galt Vrångö, der südlichsten mit der Fähre erreichbaren Insel. Diesmal war ich dort aber ohne Fahrrad, dafür mit Lesematerial ausgestattet und fast den ganzen Tag unterwegs. Wind, Sonne in flachem Winkel und rauhe Naturschönheit – so profiliert sich Schweden als tolles Reiseziel auch dem lokalen Ausflügler. Die Umblätterhilfe Windstärke 5 ist beim Lesen allerdings keine große Unterstützung und windstille Plätzchen waren recht rar...

Der dritte Ausflug war dann eine Radtour und zwar in den nördlichen Schärengarten. Pure Neugierde hat mich die knapp 20km entlang der Überlandstraße Richtung Torslanda radeln lassen und als es beim Befahren der Fähre anfing zu regnen schien der Strich durch die Ausflugsrechnung vollständig. Aber wie das hier so ist, unbeständiges Wetter bedeutet zweierlei: Schnell schlechter, manchmal aber auch schnell besser. Auf diese Art bescherte mir die Westschwedische Wetterlotterie neben viel Wind und Wolken auch noch einigen Sonnenschein und alles in allem einen sehr erlebnisreichen Tagesausflug in den abgelegeneren Teil der Göteborger Schären – es soll nicht der letzte gewesen sein.

 

Der Rest des Jahres 2012 hier in Schweden ist schnell erzählt. Zuerst kam Mareile nach Lund, dann Hannover 96 nach Helsingborg. Beide haben es meines Wissens bisher noch nicht bereut!

Über Allerheiligen hab ich Süddeutschland auch mal wieder einen Besuch abgestattet. Jan die personifizierte Tischtenniskanone empfing mich in seiner neuen Heimat Heidelberg und weckte in mir ein ganz klein wenig Heimweh nach Ba-Wü. Schwedisch ist halt nicht Schwäbisch...

 

In der Herbstferienunterbrechung der schwedischen Handballsaison haben die Chalmers-Handballer ein Trainingsspiel gegen Wassarna organisiert, eine Mannschaft, die sich letztes Jahr nach oben aus der 4. Division verabschiedet hat. Da durfte dann ja auch ich mal wieder unter Wettkampfbedingungen mitturnen, aber die Kräfteverhältnisse waren doch sehr ungleich verteilt. Selbst als ich auf LA zum Einsatz kam, hat mir der gegnerische Torwart so einige Zähne gezogen... Gott sei Dank nur im übertragenen Sinne, sonst wäre ich wohl trotz der sich damals schon ankündigenden Weihnachts-Plätzchenzeit elendiglich verhungert.

Das Jahresfazit für „meine“ schwedische Truppe ist (leider) auch recht prägnant zusammenfassbar: Trotz höherer Ziele war der Saisonstart schleppend und zum Ende des Jahres haben es die Jungs sogar geschafft, den geteilten letzten Platz einzuheimsen. Der ist mittlerweile noch nicht mal mehr geteilt. Da hat man als Zuschauer echt zu leiden, vor allem weil es eher Ungeschick als Unvermögen ist, das die Spiele – meist knapp – zugunsten der gegnerischen Teams entscheidet. Im Gegensatz zu den aus einem Vorratslager in Québec verschwundenen 3000 Tonnen Ahornsirup ist hier Hopfen und Malz allerdings noch nicht verloren, denn auf den Plätzen 5-7 (von 8) tummeln sich schlagbare Teams mit gerade mal zwei Punkten mehr.

 

Im Dezember wurde Göteborg sogar noch von reichlich Schnee und Minustemperaturen besucht, bevor ich dem dunklen Skandinavien letztendlich den Rücken kehrte. Der dazu gehörige Reisebericht soll allerdings einen eigenen Eintrag bekommen und nicht dem Jahresrückblick hinten angeklatscht werden.