Hinten kackt die Ente...

Diese Lektion durfte uns am letzten Wochenende einmal mehr der TSV Steinwedel erteilen. Sicherlich war der MTV gegen den unangefochten an der Tabellenspitze thronenden Aufsteiger selbst in heimischer Halle eher Außenseiter, aber dennoch wollten wir nicht (wie beim letzten Duell in der Rückrunde der Meistersaison vor zwei Jahren, das 25:37 endete) von deren Tempospiel überrollt werden.

Zunächst wurden wir allerdings überrollt. Vor einer im Wesentlichen aus Gästefans bestehenden Minimalkulisse erwischten die Jungs aus Steinwedel den erheblich besseren Start und erst zur Halbzeitpause hatten wir mit viel Kampf den Anschluss gefunden.
Die zweite Spielhälfte war dann Licht und Schatten (in genau der Reihenfolge) mit dem ernüchternden, oben stehenden Fazit. Zunächst schien sich das Blatt zu wenden, als deren Vorsprung egalisiert war und ein Tempogegenstoß sogar eine Führung zu unseren Gunsten auf die Anzeigetafel zauberte (die in der Halbzeitpause ebenfalls zum Leben erweckt worden war...).
Im Gegensatz zur Spielstandsanzeige an der Hallenwand gab die MTV-interne Dynamik schnell wieder den Geist auf, als erste größere Konzentrationsmängel zu Tage traten.
Während es uns im Angriff gelang durch das Versieben gut heraus gespielter Torchancen den – wahrlich nicht unüberwindbaren – gegnerischen Torwart zum Held des Spiel avancieren zu lassen, beschäftigten sich die meisten in der Abwehr mit dem an diese Abschlussschwäche gekoppelten Kopfproblem, so dass auch die Verteidigungsleistung merklich nachließ.

Abgesehen von der Erkenntnis, dass die entscheidenden Dinge meist bei gut fortgeschrittener Zeit stattfinden, bleibt auch festzuhalten, dass Handball eine (fast reine) Kopfsache ist. Anders ist es kaum zu erklären, dass in k.o.-Duellen europäischer Wettbewerbe selbst ein haushoher Vorsprung aus dem Hinspiel seltenst zu einem langweiligen Rückspiel führt.
Sind zwei Mannschaften auch nur im Entferntesten auf einer Augenhöhe ist die Truppe überlegen, die mehr gewinnen will, oder gar gewinnen muss. Das beschreibt aufs Trefflichste auch die kleine Serie, die der Chalmers Handbollsklub neuerdings an den Tag legt. Zuerst ein Unentschieden, dann zwei Siege in Folge und der letzte Tabellenplatz wurde gegen den drittletzten eingetauscht. Heute geht's allerdings zum Auswärtsspiel gegen den Zweiten – kein leichter Gang, aber ich hab den Kerls im Training nichts vom Steinwedel-Phänomen erzählt. Man kann ja auch mal entgegen aller Vorzeichen ein Erfolgserlebnis einheimsen.

Das geschah Anfang Februar in Reihe. Zwei Wochen vor meinem Besuch in Mellendorf näherte ich mich der Wedemark in einem ersten Versuch bis Hamburg, um dort zusammen mit meinem Schwager sein Weihnachtsgeschenk zu erleben. Mit vielen bis über die Hutkrempe mit Bier angefüllten Halbverrückten wohnten wir dem PDC World Cup bei, um dort mal die Meister des Dart-Sports von nahem begutachten zu können. Auch wenn es (ähnlich wie die Nummer mit der Formel 1) eher ein einmaliges Erlebnis bleiben dürfte, ist es beeindruckend den vorwiegend aus dem Commonwealth stammenden Männern im gesetzteren Alter, die fast alle mit der Figur eines Sumo-Ringers ausgestattet sind, bei der Arbeit zuzuschauen. Anstatt sich nämlich gegenseitig mit Salz zu bewerfen oder am Mawashi (Gürtel) zu schnappen und aus dem Ring zu tragen, lancieren diese weit weniger muskulösen Brecher mit einem faszinierenden Feingefühl einen Metallpfeil nach dem anderen ins Triple-20-Segment. Wir waren fürs Achtelfinale angereist und konnten den Stars der Szene beim Ausscheiden zuschauen. Lediglich die Titelverteidiger und Favoriten Phil „The Power" Taylor (16-facher und aktueller Weltmeister) und Adrian „Jackpot" Lewis (dessen Vorgänger) konnten mit Müh und Not gegen Südafrika im Turnier bleiben und dieses dann am darauffolgenden Sonntag gewinnen.

Am Wochenende dazwischen kam der große THW Kiel auf ein Gastspiel nach Göteborg. Der IK Sävehof bestreitet seine Champions-League-Heimspiele nämlich aufgrund der kleineren Halle in Partille (ca. 20 km von hier) entweder im Scandinavium oder – weil das dieses Mal mit Eishockey besetzt war – im Frölundaborg, dem eigentlichen (und kleineren) Bau der Kuvencracks der Frölunda Indians (alles in allem also eine Reise nach Jerusalem auf dem Niveau von lokalen Sportgroßereignissen). Anders als im Duell MTV – Steinwedel erwischte der als Außenseiter angetretene schwedische Meister einen Traumstart und führte zwischenzeitlich mit 7:2. Der THW wäre aber nicht der THW, wenn zu guter Letzt nicht doch ein überdeutliches 29:40 den Endstand markiert hätte. Dank der direkten Fährverbindung (die auch die Spieler des THW benutzt hatten) waren gut 1000 Fans aus Kiel angereist und sorgten zusammen mit den eher reservierten 3500 Schweden in der Halle für eine prima Stimmung. Als kleines Dankeschön nahmen sich die Kieler Spieler nach dem Match ziemlich viel Zeit, sich zusammen mit Fans von iPhones fotografieren zu lassen oder Autogramme zu schreiben. Ich hab in dem Zusammenhang einen urkomischen Kurz-Dialog zwischen einem etwa 40-jährigen Fan und einem Spieler aufgeschnappt:

Fan: „Hey Christian, signierst du mir mein Trikot?"
Christian Zeitz: „Aber klar doch!"
Fan: „Vielen Dank, war eine überzeugende Leistung, das Spiel..."
Christian Zeitz: „Gern geschehen. Sehen wir uns nachher auf der Fähre?"
Fan: „Nee, wir fliegen..."

Tja, dass die Stars die über-Nacht-Fähre benutzen und die Fans für etwas mehr Kohle mit dem Flieger über die Ostsee jetten gibt's wohl nur in Randsportarten wie dem Handball.

Apropos verkehrte Welt: Mein kleiner Neffe hat mir am vergangenen Wochenende auch eine kleine persönliche Niederlage beigebracht. Im Dezember war mein mir nicht unähnlicher Cousin Kai-Simon zu Gast gewesen und hat ihn wohl nachhaltig beeindruckt. Daher begrüßte er mich zunächst ausschließlich mit „Kai". Einige Kinderbücher und Bauklotz-Abenteuer später konnte er davon überzeugt werden, dass es neben „Kai" auch noch „Mo" gibt. Warum Kai aber neuerdings lieber mit „Mo" angesprochen wird, hat sich dem kleinen Purzel an dem einen Wochenende noch nicht erschlossen. Muss wohl doch öfter in die Wedemark reisen. Dieses Quak-Quak hat nämlich vorne schon geschissen und wenn ich dem Titel dieses Blog-Eintrags auch in dem Punkt Ehre machen möchte, muss ich wohl noch ein paar Bahnreise-Stunden und -Tage investieren...

Wie vor Lichtjahren versprochen geht es hier bald mit Einträgen über meine Eindrücke Schwedens weiter. Diesmal kein leeres Versprechen, versprochen!