Weichgekocht

Also wer am vergangenen Sonntag den Eindruck hatte, dass es warm in der Wedemark geworden ist, der war definitiv nicht in der Halle. Die Gemeinde scheint mit aller Gewalt in die schwarze Liste der Steuergeld-Verschwender aufgenommen werden zu wollen und trägt durch die ausgezeichnet eingeheizte Großraumsauna Wedemarkhalle effektiv zur Erderwärmung bei.
Umso tragischer für die Burgdorfer, niemand zum Auswechseln zu haben, aber in Mellendorf wird eben mit allen Tricks gearbeitet...

Wie Barnd schon vorsichtig umschrieb schickte man uns SEHR unerfahrene Schiedsrichter, die sich mit Pfiffen aller Art übertrieben vornehm zurückhielten. Man kann von Glück sagen, dass das Spiel zu keiner Zeit knapp war, denn ansonsten hätte die fehlende Spielleitung durchaus eine entgleisende Härte bewirken können. Meine Kritik gilt nicht den Schiedsrichtern selbst, sondern viel mehr den Einteilern, denn ein in vielen Belangen unsicheres Gespann zu einem vorletzten Saisonspiel zweier direkter Konkurrenten um den möglichen Aufstiegsplatz 4 zu schicken, zeugt von allem anderen als Sachverstand.
Wollen aber mal auf dem Teppich bleiben. Hatten ja auch schon Referees die gar nicht erst den Weg in die Wedemark antreten wollten. Das mit der progressiven Bestrafung und dem Zeitspiel müssen die beiden aber definitiv noch lernen. Burgdorf hätte höchstens noch mehr Zeit schinden können, indem sie Jörn ab und an zwischen 6- und 9-Meter-Kreis zu einer Bauchlandung gezwungen hätten, denn gemessen an den Temperaturen dürfte sein Trikot spätestens nach fünf Spielminuten getropft haben ;-)

Sie fügten sich allerdings recht schnell in ihr Schicksal und versuchten lediglich die Niederlage in erträglichen Maßen zu halten. Das ist ihnen auch gelungen. Nun wollen wir mal sehen, ob der MTV in der Eissporthalle zu Hänigsen am Samstag den dortigen Friesen die goldene Ananas (um die es für die Gastgeber noch geht) rauben und diese eventuell sogar noch gegen den dritten Tabellenplatz eintauschen kann.

Einem feucht-fröhlichen Saisonausklang stünde dann ganz sicher nichts mehr im Wege. So wie sich Thomas bei der letzten Aufstiegsfeier an einem Bierkasten festhalten musste um nicht umzufallen, kann man euch ja nur ein ähnliches Erfolgserlebnis wünschen. Ich werde definitiv auch zur Teilnahme an Regionsoberliga-Spielen anreisen, befürchte aber, dass die Luft da zunehmend dünner wird. Ab wann darf man sich nochmal in die alten Herren aussortieren...?!?

Hier in Schweden ist das mit dem Alkohol ja ganz anders geregelt. Da fährt niemand spontan zur Tanke und holt Bier oder lässt sich beim Getränkemarkt um die Ecke allerlei Spirituosen kalt stellen. Wer "hoch"prozentiges (d.h. mehr als 2,5 Vol-%) konsumieren möchte, hat nur eine Wahl: Das Systembolaget (liebevoll auch "systemet" genannt – klingt ein bisschen nach Mafia, was gar nicht soweit daneben ist). Diese staatlich geführte Ladenkette ist die einzige Möglichkeit außerhalb von Restaurants Alkohol abseits von Lättöl (= Leichtbier, unter 2,5%) zu bekommen – ein volles Portemonnaie vorausgesetzt. Skurrilerweise führt diese Gängelung aber nicht zu weniger alkoholbedingten Krankenhausaufenthalten pro Jugendlichem, sondern mehr! Das hat eine Studie im europaweiten Vergleich herausgefunden und widerlegt damit eines der Hauptargumente für das staatliche Monopol. Ich sehe dafür zwei Hauptgründe. Einerseits gibt es kein normales Bier im Bereich von 4-5 Vol-%, da das im Systemet erhältliche Starköl gleich 7% und mehr hat, andererseits tendiert man ja mit zunehmender Alkoholisierung der Haushaltskasse keinen Gedanken mehr zu widmen und haut so bei einem gewissen Grad an Betankung aus Trotz erst richtig auf den Putz.

Eine Umfrage in Schweden hat ergeben, dass dennoch 66% der Befragten diese Monopol-Regelung samt der sehr eingeschränkten Öffnungszeiten des Systembolagets so beibehalten will – scheint mir eine Umfrage unter Mitarbeitern des Systembolagets gewesen zu sein...

Mir ist das ja ohnehin mehr schnurz als anderen, aber wenn man in einer Pizzeria für den Cider gleichviel bezahlt wie die Pizza ist das dennoch albern. Trotzdem gilt nach wie vor die allgemeine Relativitätstheorie: Alles ist relativ! Während ich nie auf die Idee kommen würde, anders in den Besitz von Spirituosen zu gelangen als durch den Import aus Deutschland, gibt es reihenweise Norweger die sich hierzulande mit Hochprozentigem eindecken. Norwegen ist wohl das einzige Land, in dem die Steuern noch höher sind als hier. Schweden hat sich eben auch den EU-Bestimmungen unterzuordnen, die gewisse Richtlinien im Import- und Exportbereich vorsehen. Die Aufnahme in die EU 1995 führte nämlich dazu, dass die Importzölle auf Alkoholika hierzulande verringert werden mussten. Um nicht die hiesigen Produzenten mit Importiertem in den Ruin zu treiben wurde die schwedische Alkoholsteuer und somit direkt die Preise im Systembolaget heruntergesetzt. Da sag nochmal einer, dass die EU nur negative Auswirkungen auf den kleinen Mann (und die kleine Frau) habe...

Ein weiteres Gegenbeispiel dafür ist der Buttermangel, der Norwegen 2011 die Vorweihnachtszeit vermieste. Schlechtes Wetter im Sommer hatte die Futterqualität für viele Nutztiere verschlechtert und so zu weniger Milchproduktion geführt. Die fehlte dann um daraus Butter zu machen – wie das zusammenhängt weiß sogar mein Neffe aus seinem Bilderbuch! Weil nun Norwegen außerhalb der EU liegt kann man nicht mir nichts dir nichts Agrarprodukte aus Schweden exportieren, da die ja von der EU subventioniert werden. So schmuggelten viele Norweger tatsächlich Butter über die Grenze. In vielen westschwedischen Orten ging den Supermärkten daher ebenfalls dieser Plätzchen-Grundstoff aus. Nicht umsonst heißt das schwedische Sprichwort-Äquivalent zu "nicht für alles Geld der Welt" so: "inte för allt smör i Småland" (= nicht für allen Butter in Småland).

Von wegen meine Blogeinträge sind äußerst unregelmäßig und haben keinen roten Faden, das läuft doch wie geschmiert *gg*.